Dienstag, 06.10.09 14h03 | sueholzer
Internetsummit - Das Recht im Netz Beim Internetsummit des Verbands der österreichischen Internet-Anbieter (ISPA) diskutierten Kreative, Diensteanbieter und Wissenschaftler Möglichkeiten der Erneuerung des Urheberrechts im digitalen Zeitalter. Netural war dabei.

Rechtsbrecher
Da sich das Internet in den letzten Jahren immer mehr zu dem viel zitierten Mitmach-Web entwickelt hat, tun sich neue rechtliche Grauzonen auf, über die sich viele User gar nicht bewusst sind. Man findet genügend private Urlaubsvideos auf Youtube, die mit einem bekannten Hit unterlegt sind, Bilder, die auf Blogs gepostet werden ohne Quellenangaben und ähnliches. User generated content lädt geradezu ein, das Urheberrecht zu brechen, da alles leicht auffindbar ist und leicht verbreitbar.

Das hier eine Diskussion geführt werden muss scheint auch beim Internetsummit außer Frage zu stehen. Lösungsvorschläge gibt es einige. Dass manche davon sehr umstritten sind, hat man nicht zuletzt an der Zensursula Debatte in Deutschland gesehen. Die Familienministerin Ursula von der Leyen sprach sich für Netzsperren für gewisse gefährliche Inhalte aus im Web aus, um vor allem gegen Kinderpornografie vorzugehen, was einer Zensur gleichkommt, aber wenig effektiv gegen Kinderpornografie vorgeht, da die Sperren leicht zu umgehen sind. Vor allem da es das Problem nicht an der Quelle angeht. Ob diese Diskussion auch Frau Ministerin Bandion-Ortner mitverfolgt hat, ist unklar, sie hält nämlich am Internetsummit Netzsperren auch in Österreich für möglich. Das hat gesessen im Publikum. In der Twitteria und Blogosphäre ist man empört und denkt sich schon brav ähnliche Namen für die Ministerin in Anlehnung an Ursula von der Leyen aus. Die Bezeichnungen Zensurdia, Zensurandion oder Zensaudia kursieren bereits im Web.

Recht für alle
Dass es Alternativen zum Umgang mit Urheberrechten im Netz gibt, zeigte der Berliner Medienwissenschaftler Volker Grassmuck in seiner Keynote und legte das Prinzip der "Kultur-Flatrate" dar.

Eine Pauschalvergütung für Inhalte aus dem Netz soll es Privatpersonen erlauben, gegen Bezahlung einer monatlichen Gebühr urheberrechtlich geschützte Werke für nichtkommerzielle Zwecke im Netz zu tauschen und zu verwenden.

Die Einnahmen werden kollektiv verwaltet und entsprechend der Popularität der Werke an die Urheber ausgezahlt. Damit sei eine faire Vergütung für Urheber möglich, meint Grassmuck. Der machte sich beim Internet Summit auch für ein freies und offenes Internet stark.

Aus meiner Sicht die spannendste Aussage von Grassmuck zu den verschärften Urheberrechtsgesetzen und Netzsperren nach wiederholten Urheberrechtsverstößen, wie sie vor kurzem in Frankreich beschlossen wurden: Wenn viele Nutzer für Inhalte im Netz nicht bezahlen wollen, bedeute das auch, dass die Geschäftsmodelle falsch gewählt seien.

Social Networks sind für Abnormale
Das Thema der sozialen Medien konnte auch am Internetsummit nicht ignoriert werden. Leider gab es dabei gerade bei den Vertretern der Old Media recht bedenkliche Aussagen am Podium. So meinte Armin Thurnher vom Falter Verlag, dass er bei der Nutzung von Sozialen Netzwerken fehlenden Dialog sehe, sowie das Fehlen einer direkten Kommunikation und eine Steigerung des Narzissmus.

Herr Thurnher ist für seine kritische Haltung gegenüber dem Internet bekannt, schrieb er doch einen Artikel "Warum ich mich weigere, das Internet ernst zu nehmen?". Er ist wahrscheinlich auch mit seiner Meinung festgefahren und das ist schade. Entgegen halten kann man ihm viel, ob es der Mühe wert ist, bezweifle ich. Alle die sich seiner Meinung anschließen werden jedoch über kurz oder lang ohnehin eines besseren belehrt, denn nicht umsonst erfreuen sich soziale Medien äußerster Beliebtheit, wodurch auch immer weniger Unternehmen sich diesen Kanälen entziehen können.

Fazit
Insgesamt war es ein sehr spannender Tag mit guten Networking Gelegenheiten. Die Diskussion zu den Urheberrechten wird in naher Zukunft immer bedeutender werden. Wir sind gespannt in welche Richtung es gehen wird. Ich persönlich finde "Kultur-Flatrate" oder "Creative Common" Lizenzen spannende Ansätze mit einer größeren Zukunft als Netzsperren.
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